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Honigbienenkunde

 
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Kleine Honigbienenkunde

Honigbienen sind ganz besondere Tiere. Sie können nur als Gemeinschaft existieren. Eine einzeln gehaltene Honigbiene wird trotz bester Haltung und Pflege schon nach kurzer Zeit sterben. Honigbienen sind die wichtigsten Bestäuber unserer Kultur-landschaft, insbesondere für die Massentrachten und damit für die Landwirtschaft unentbehrlich. Durch ihre Bestäubungsleistung an Nutzpflanzen sind Honigbienen in Europa das drittwertvollste Haustier nach dem Rind und dem Hausschwein.

Ohne die imkerliche Pflege des Menschen könnte die Honigbiene nicht mehr existieren. Mischwälder mit einem natürlich vorkommenden Bestand an stehendem Totholz, welches einst ursprüngliche Behausungen für die Bienen darstellten, existieren kaum noch. Auch gegen Bienenkrankheiten wie die aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe hat die Honigbiene ohne die Hilfe des Imkers keine Überlebenschance.
 
   Mit dem Rückgang der Imkerei stirbt also auch die Honigbiene.

 
 
Ohne Familie läuft nichts!

Honigbienen gehören zu den staatenbildenden Insekten. Sie ernähren sich, wie alle anderen Bienenarten auf der Welt, rein vegetarisch. Eine solche „Großfamilie" besteht aus vielen Einzeltieren mit enormer Spezialisierung. In diesem Fall sind dies drei ganz unterschiedliche Wesen mit sehr unterschiedlichem Verhalten: Drohn, Königin und Arbeiterin.

Die Bienenwohnung: die Beute

 

Das Bienenvolk kennt eine strickte Organisation und damit verbunden eine klare Rollen- und Arbeitsteilung für die drei Bienenwesen. Die Aufgaben von Drohn, Königin und Arbeiterinnen sind dabei so fein aufeinander abgestimmt, dass schon beim Fehlen eines der drei Bienenwesen die „Großfamilie Bienenstaat“ nicht mehr weiter existieren kann.   Königin und Drohnen auf sich allein gestellt wären verloren, denn sie könnten weder Wachszellen errichten, die Brut aufziehen, noch ihre tägliche Nahrung beschaffen.
Die Arbeiterinnen wiederum wären ohne die Regentin und der Drohnen nach kurzer Zeit ebenfalls zum Aussterben verurteilt, da mit dem Fehlen der Geschlechtstiere auch der Nachwuchs ausbleibt und das Ende des Volkes besiegelt wäre.

Die untrennbare Einheit der so unterschiedlichen Bienenwesen spiegelt sich auch in der für das Bienenvolk verwendeten Bezeichnung „der Bien“ wider. Imker betrachten ein Bienenvolk als eine unteilbare Einheit,als einen einzigen lebenden Organismus. Wobei die Arbeiterinnen den Gesamtkörper darstellen, die Drohnen und die Königin wiederum den männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen entsprechen.

 

Im Dienste der Arterhaltung: Der Bienendrohn

Die dicken „Brummer“ im Volk sind die Drohnen. Sie werden in der Vermehrungszeit des Bienenvolkes, der Schwarmzeit (sie erstreckt sich etwa von April bis August, hauptsächlich aber im Mai und Juni) aufgezogen. Bis zur Jahresmitte können in einem starken, gesunden Bienenvolk einige hundert bis tausend Drohnen leben.

 

Der Drohn geht aus einem unbefruchteten Ei hervor. Bei den Hautflüglern entstehen aus unbefruchteten Eiern immer männliche Tiere. Drohnen-Eier werden von März bis Juli in Wabenzellen mit ca. 6,2 bis 6,4 mm breite und 16 mm tiefe gelegt. Die „Herren“ des Hauses lassen sich am längsten Zeit mit ihrer Entwicklung; von der Eiablage bis zum ausgewachsenen Insekt benötigen sie 24 Tage. Zudem besitzen Drohnen wie alle männlichen Hautflügler keinen Stachelapparat und können deshalb auch nicht stechen. Zwischen dem 8. und 12. Tag nach dem Schlüpfen erreicht der Drohn seine Geschlechtsreife. Wichtig ist eine ausreichende Versorgung mit Eiweißen, denn in dieser Zeit produziert ein Drohn in seinen Hoden

 

Drohn auf einer unbebrüteten Wabe

acht bis elf Millionen Spermien. Die Eiweißernährung decken Honigbienen über den Verzehr von Blütenpollen ab; Blütenpollen sind die "Eiweißbomben" im Bienenstock! Die Drohnen beteiligen sich nicht am Alltag im Bienenstock, sie Sammeln weder Pollen noch Nektar; steuern mit ihren Körpern allerdings etwas Wärme für die Bienenbrut bei. Sie sind im Gegensatz zu den Männchen solitär lebender Bienenarten Körperlich nicht einmal in der Lage, Nektar aus Blüten aufzunehmen. Sie sind zu ihrer eigenen Ernährung auf den sozialen Futteraustausch (die „Mund-zu-Mund“ Weitergabe von Futter) im Bienenvolk angewiesen.

Die große Stunde der Drohnen kommt, wenn junge, unbegattete Königinnen zum Hochzeitsflug das Bienenvolk verlassen. Alles an ihnen ist auf diese Aufgabe ausgerichtet. Sie besitzen große, leistungsfähige Facettenaugen, die am Scheitel des Kopfes dicht beisammen stehen. Die einhergehende gute Sehfähigkeit ermöglicht ihnen, eine Königin im Flug aufzufinden. Ebenso ist ihr Geruchssinn besonders gut ausgebildet und auf den Duft von „unverheirateten“ Königinnen spezialisiert. Der Drohn besitzt spezielle Haarpolster an den Hinterbeinen, mit denen er eine Königin im entscheidenden Augenblick festhalten kann, denn die Bienenhochzeit findet ebenfalls im Flug statt.


Interessantes Drohnengespräch :-)Leider endet der "schönste Tag im Leben" für den Drohn tödlich. Findet ein Drohn keine unverheiratete Königin und es kommt nicht zum Bienensex, kann ein Drohn bis zu 40 Tage alt werden.

Im Spätsommer, wenn die Schwarmzeit vorbei ist und Drohnen nicht mehr „Heiraten müssen“, kommt es zur so genannten
Drohnenschlacht: Bienenvölker mit gut legenden Königinnen dulden zu dieser Zeit keine Drohnen mehr. Sie werden nicht mehr versorgt und von den Vorräten ferngehalten. Zuletzt zerren die Arbeiterinnen sie aggressiv aus dem Stock.
Vor dem Flugloch findet man zu diesem Zeitpunkt vermehrt Drohnen umherlaufen. Ein Teil dieser Drohnen ist bereits verhungert und liegt Tot vor dem Flugloch. Ein Bild, als wenn hier ein Drohnenschlachten statt gefunden hätte. Aber nur selten wird ein Drohn tatsächlich durch den gezielten Stich einer Arbeiterin getötet. Nur in Völkern ohne voll funktionsfähige Königin sind Drohnen im Herbst und Winter noch zu finden.

 

Die Mutter aller Honigbienen: Die Bienenkönigin

Die Königin ist die Michelle Obama, die „First Lady“ im Bienenvolk. Sie ist permanent umsorgt von einem Heer von Dienern, dem in der Imkersprache bezeichneten Hofstaat. Das hat seinen Grund: Die Königin, vom Imker auch Weisel genannt, leistet Schwerstarbeit. Von März bis August sorgt sie kontinuierlich für Nachwuchs. Sie legt pro Tag bis zu 1500 Eier. Dies erfordert eine energiereiche und vor allem eiweißreiche Nahrung. Sie wird, um diese Schwerstarbeit leisten zu können, daher von Ammenbienen mit einem speziellen Futtersaft, dem Gelée Royal, gefüttert.

Die Königin sondert aus Drüsen am Kopf, Substanzen ab, die
Pheromone genannt werden. Pheromone sind chemische Stoffe mit denen die Bienen untereinander kommunizieren. Diese Pheromone, vom Imker auch Königinnensubstanzen genannt, halten das Volk zusammen und unterdrücken damit z.B. die Sexualität, also den Fortpflanzungswillen, der Arbeiterinnen; die Arbeiterinnen bleiben dadurch steril (unfruchtbar).

Die gleichmäßige Verteilung der Pheromone im Volk erfolgt durch die Arbeiterinnen. Die Bindungen, die zwischen der Regentin und ihrer Untertanen durch diese Pheromone hervorgerufen werden, sind außerordentlich Stark.

 


Bienenkönigin mit ihrem Hofstaat
Fotograf: Jürgen Schwenkel

Man kann sagen, dass die Königin tatsächlich Macht über ihre Töchter ausübt. Sie darf erwarten, dass ihre Existenz nicht in Frage gestellt wird. Das ist sehr wichtig, denn zwei Königinnen können nicht nebeneinander existieren; sie würden versuchen, sich gegenseitig umzubringen. Die Königin ist das größte Tier im Volk und das einzige fertile (fruchtbare) Weibchen, das in der Regel die Eier legt. Ihre Spezialisierung geht so weit, dass sie, anders als bei den Hummeln oder bei Wespen, niemals alleine ein neues Volk gründen kann.

Der Bienenkönigin fehlen auch wesentliche Körpermerkmale einer Arbeitsbiene. Sie besitzt z.B. keine Wachsdrüsen an ihrem Hinterleib, keine Honigblase oder keinen Pollensammelapparat an ihren Hinterbeinen und kann deshalb weder Nektar noch Pollen sammeln oder Wachs produzieren. Überhaupt fehlt ihr der Instinkt zur Brutpflege. Durch ihre Eierlegetätigkeit sorgt sie für eine fortwährende Nachkommenschaft der kurzlebigen Töchter und während der Vermehrungsphase für das Entstehen der Geschlechtstiere, den Drohnen und Königinnen.

Die Spermien, welche die junge Königin während der kurzen, einmaligen Begattungsphase von bis zu sieben, acht Liebhabern (Drohnen) aufnimmt und in ihrer Samenblase speichert, müssen für ihre gesamte Lebenszeit von drei bis maximal fünf Jahren ausreichen. Die Brutzellen, in die von der Königin Eier gelegt werden sollen, werden von den Arbeiterinnen vorbereitet. Eine Putzbiene reinigt eine bereits gebrauchte Brutzelle von den Resten der letzten „Bienengeburt“. Dies sind Reste der Puppenhülle, Stücke des Wachsdeckels und Kot.

Bestiftete BrutwabeDie Königin kann die Spermien bei der Eiablage gezielt und Portionsweise abgeben. Sie inspiziert zuerst die Brutzelle. Fällt es zu ihrer Zufriedenheit aus, misst sie mit ihren Vorderbeinen und den Antennen die Größe der Zellöffnung aus: Ist diese groß (6,2 bis 6,4 mm breit und 16 mm tief), bleibt die Samenblase geschlossen, sie legt ein unbefruchtetes Ei und es entsteht ein Drohn. Ist die Zellöffnung dagegen klein (5,2 und 5,4 mm breit und etwa 10-12 mm tief), werden bei der Eiablage Spermien hinzugefügt, das Ei wird befruchtet und es entsteht ein Weibchen. In der Imkersprache heißt das, sie bestiftet die Zelle. Bestiften deshalb, weil die Eier der Honigbiene wie ein Komma oder eben wie ein Stift aussehen.
 

Im Innen- und Aussendienst: Die Arbeitsbiene

Keineswegs „herrscht" die Königin als Monarchin im Bienenvolk. Ganz im Gegenteil, die Gemeinschaft der Arbeiterinnen hat  „das Sagen".
Sie entscheiden etwa, ob ihre Regentin Abdanken muss wenn sie in den Augen der Arbeiterinnen zu „alt“ ist oder ihre Funktion nicht vollständig erfüllt, sprich: nicht mehr genug Schwestern produziert. Die Arbeiterinnen erledigen das Alltagsgeschäft des Bienenvolkes.
Sie sorgen je nach Notwendigkeit und Möglichkeit dafür, dass mehr oder weniger Zellen für die Eiablage vorbereitet sind, die Brut gewärmt und versorgt wird, Drohnen- und Schwarmzellen gebaut werden und ausreichend Nahrung herangeschafft wird.

 

So bestimmen die Arbeiterinnen auch den Zeitpunkt des Schwärmens und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Königin weniger Eier ablegt und, auf "Diät" gesetzt, wieder schlank und flugfähig wird für den Umzug in ein neues Bienenheim. Im Gegensatz zur Königin besitzen Arbeiterinnen nur wenige Eierstöcke, die - solange die Pheromone der Königin wirken und Brut vorhanden ist - in der Regel nicht entwickelt sind.

Dass nun aus einem befruchteten Ei eine Königin oder eine Arbeiterin wird, hängt allein von den Aufzuchtbedingungen ab. Nur die Larve in der
senkrecht hängenden Königinnenzelle wird ausschließlich mit Königinnenfuttersaft (Gelée Royale),einem Kopfdrüsensekret der Arbeiterinnen, ernährt. Aus ihr schlüpft nach 16 Tagen die Königin. Die Larven in den kleinen, waagrecht stehenden Zellen, der Arbeiterinnenzellen, werden ab dem Alter von zwei bis drei Tagen nur noch mit einem Gemisch aus Nektar und Pollen ernährt; aus ihnen entsteht eine Arbeiterin, die nach etwa 21 Tagen schlüpft.
 


Nachschaffungszelle
Foto: Schwenkel

 

 

 

 

 

 

 

 

Bis zu einem Larvenalter von zwei bis vier Tagen ist die Entwicklung zur Königin oder Arbeiterin umkehrbar. Fehlt also plötzlich die Königin, können aus jungen Arbeiterinnenlarven dennoch Königinnen werden, indem die Larven weiter mit viel Königinnenfuttersaft gefüttert und die Zellen nachträglich zu so genannten Nachschaffungszellen geformt werden. Die daraus schlüpfende Königin wird dann vom Imker Nachschaffungskönigin genannt.

Arbeiterinnen sind deutlich kleiner als die Königin und bilden die Masse des Bienenvolkes. Im Sommer sind das etwa 40.000 bis 60.000 Arbeiterinnen, im Winter etwa 5.000 bis 10.000 Stück.

Das bekannte Arbeitsschema - Stock- und Brutpflege, Wachserzeugung und Wabenbau, Nestschutz und Nahrungssammeln - wird in der Regel vom Lebensalter bestimmt, die älteren Bienen arbeiten im "Außendienst" als Wächterin, Erkundungsbiene und Sammlerin; die jüngeren Bienen sind für die handwerklichen Aufgaben im "Innendienst" zuständig. Die einzelnen Tätigkeiten werden aber oft übersprungen bzw. können bei Bedarf später wieder ausgeübt werden.

Die Brutpflege und die Sammeltätigkeit einer Arbeiterin verkürzt ihre Lebenserwartung drastisch. Hierin liegt auch der Unterschied zwischen den
kurzlebigen Sommerbienen und den langlebigen Winterbienen. Erstere erleben nur drei bis sechs arbeitsintensive Wochen. Letztere haben noch keine Brut aufgezogen und können daher monatelang im brutfreien Volk überleben.

 

Der Lebenslauf einer Honigbiene

Nachdem die Königin nun ein befruchtetes (es entsteht eine Arbeiterin) oder ein unbefruchtetes Ei (es entsteht ein Drohn) in eine Zelle gelegt hat, reicht der Dottervorrat im Ei nur für drei Tage, dann muss die Larve aus dem Ei schlüpfen. Ab diesem Zeitpunkt ist sie auf die Pflege durch die Ammenbienen angewiesen. Die Ammenbienen versorgen die Larven in den ersten Tagen mit ihrem in den Kopfdrüsen produzierten Futtersaft. Soll aus dem befruchtetem Ei eine Arbeitsbiene entstehen, werden die Larven anschließend mit einem Futterbrei aus Honig und Pollen gefüttert - und das bis zu 25mal am Tag - soll aus der Larve eine Königin werden, erhält sie während der gesamten larvalen Entwicklung den Futtersaft der Ammenbienen (Gelée Royal).

 

Das Kinderzimmer im Bienenstock

 

Ammenbienen füttern der Larven

Die einzige Aufgabe der Larve ist es zu wachsen. Bis zum Ende ihrer sechs Tage dauernden Larvenzeit hat die Larve das ca. 500fache ihres Eischlüpfgewichtes erreicht! Zum Vergleich: Würde ein Menschenbaby so rasant zunehmen, wäre es nach einer Woche so groß und so schwer wie ein Nilpferd!
Bei allen Insekten auf der Welt besteht das Problem, dass die äußere Hülle zugleich das "Skelett" darstellt. Diese Hülle wächst
nicht mit. Um wachsen zu können, muss sich die Bienenlarve im Laufe ihrer gesamten Larvenzeit fünf Mal häuten. Die Larvenhülle reißt an einer "Sollbruchstelle" ein und die Larve windet sich  heraus. Sie hat unter der alten Hülle ein neues Larvenhemd gebildet, das sich in den ersten Minuten noch dehnen kann und anschließend verfestigt.

In der Zeit zwischen dem Ende der Larvenentwicklung und der vollentwickelten Biene liegt eine Ruhephase,
die
Puppenphase. Diese Ruhephase ist allerdings rein äußerlich, denn das Tier wird in dieser Zeit vollständig von einer fußlosen, raupenähnlich wirkenden Gestalt zu dem uns bekannten typischen Bienenwesen umgebaut. Die Ammenbienen verschließen nun die Brutzellen, da die Larven in der Puppenphase keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Die Puppenphase dauert bei den Arbeiterinnen 12 Tage, die Drohnenpuppen brauchen drei Tage länger, also 15 Tage.
Am Ende ihrer Verwandlung schlüpft nun eine fertig entwickelte und ausgewachsene Biene. Das fertige Insekt –
Imago genannt - wächst nicht mehr. Nur ein Teil der inneren Organe wird sich später noch den jeweiligen Aufgaben entsprechend vergrößern oder reduzieren.

Von der Putzfrau zur Kundschafterin:
Das Leben einer Arbeitsbiene

Bei den Arbeitsbienen gibt es eine deutlich strukturierte Arbeitsteilung. Die jeweiligen Aufgaben, die sie erfüllen hängen vom Alter der Arbeiterin und von dem Entwicklungsstadium bestimmter Drüsen ab. Das Leben einer Arbeitsbiene wird von einem Rhytmus von drei mal drei Wochen (3 x 21 Tage) geprägt: In den ersten drei Wochen ihres jungen Bienenlebens erledigt sie Arbeiten im Bienenstock. Sie ist also eine reine Stockbiene. Zuerst reinigt sie die leeren Wabenzellen. Anschließend verrichtet die Arbeiterin alle Dienste im Stock vom Ammendienst an Brut und Königin bis zur Wächterin am Flugloch.

Die letzten drei Wochen, und der letzte Lebensabschnitt einer Arbeiterin, ist sie als
Flugbiene unterwegs. Sie arbeitet dann als Sammlerin oder Spurbiene. Ganz so streng, wie es sich hier anhört ist die Arbeitsteilung aber nicht und es gibt eine Menge kleiner Tätigkeiten, die in jeder Phase wieder auftreten. Bei Bedarf können Arbeiterinnen andere Aufgaben übernehmen, als es für ihr Alter typisch wäre.

Die Putzbiene

Putzbienen reinigen die Kinderstube  

Nach dem Schlüpfen aus dem engen "Kinderzimmer" sind die Futtersaftdrüsen im Kopf einer jungen Honigbiene noch nicht voll ausgebildet. Dies dauert noch ein kleine Weile und sie beteiligt sich deshalb auch noch nicht an den Pflegediensten bei der Brut und der Königin.

Die neue "Mitarbeiterin" hält sich dennoch überwiegend auf dem Brutnest auf. Dort wärmt sie mit ihrer Anwesenheit das Brutnest und übernimmt die „sanitäre Wartung“ (entfernen von Puppenhäutchen und Larvenkot) frei gewordener Brutzellen für den kommenden Nachwuchs

Frisch geschlüpfte Honigbienen sind stark behaart und sehen auch irgendwie "frisch geboren" aus - feucht und Unsicher auf den Beinen. Daran kann man eine junge Biene erkennen. Je länger eine Biene lebt, umso mehr Haare oder Borsten verliert sie - fast genauso wie bei uns Menschen!

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Die Ammenbiene

Die Ammenbienen versorgen die Brut. Am 4. Tag nach dem Schlüpfen sind die im Kopf der Biene liegenden Futtersaftdrüsen mächtig herange-wachsen. Sie kann jetzt Futtersaft, eine Art Ammenmilch produzieren und an Larven und Königin abgeben. Die Larven sind in den ersten Tagen noch nicht selbst in der Lage Pollen zu verdauen. Sie sind daher auf diesen Futtersaft angewiesen. Ungefähr bis zum 10. Lebenstag erledigen die Bienen ihre Ammendienste. Anschließend bilden sich ihre Futtersaftdrüsen wieder zurück. Ein kleiner Teil der Ammenbienen, dem so genannten Hofstaat, betreut die Königin. Sie füttern die Königin mit ihrem Kopfdrüsensekret, dem Gelée Royale.

 

Die Baubiene

Bei einem Teil der Stockbienen sind ab dem 11. Lebenstag die Wachsdrüsen aktiv. Das Wachs entsteht in insgesamt acht Drüsenfeldern, die auf der Bauchseite von vier Hinterleibssegmenten der Bienen paarig angeordnet sind. Sie arbeiten nun als Baubienen und produzieren kleine, transparente Wachsplättchen. Der Imker sagt dazu, die Bienen schwitzten Wachs. Baubienenarbeit ist echtes Teamwork! Soll eine neue Wabe gebaut werden, so bilden Arbeiterinnen lange „Arbeitsketten“. Sie hängen sich aneinander und bilden ein dichtes Netz von Bienenkörpern über der Baustelle.

Frisch geschwitztes Wachs ist brüchig und hat eine feinkörnige Gestalt. Die Baubiene knetet die Plättchen mit ihren Kiefern durch und fügt ein öliges Sekret ihrer Kieferdrüsen zu. Das Wachs hat jetzt seine Brüchigkeit verloren, ist sehr elastisch und kann nun wunderbar als "Universalbaustein" im Bienenstock eingesetzt werden. Aus
100 Gramm Wachs erschaffen die Baubienen etwa 8.000 Zellen !

 

Aus: Was ist Was Band 19
 "Bienen und Ameisen"

Die Honigmacher

Die Hauptaufgabe der Stockbienen zwischen dem 12. und 20. Lebenstag ist es, den heimkehrenden Sammelbienen den gesammelten Pollen, Nektar oder Honigtau abzunehmen und im Volk zu verteilen oder. einzulagern. Diese „Nektarabnehmerinnen“ sind die eigentlichen  Honigmacherinnen.
Frisch geernteter Pflanzennektar enthält sehr viel Wasser, je nach Pflanzenart bis zu 75%, und ist als haltbarer Wintervorrat ungeeignet. Die im Nektar natürlich vorkommenden Hefepilze würden schnell anfangen sich zu vermehren - der Nektar würde gären. Deshalb wird der Nektar von den Bienen kontinuierlich getrocknet. Durch die Übergabe des Nektars

 

Arbeiterinnen beim Futteraustausch (Trophallaxis)

von einer Biene zur nächsten, Trophallaxis genannt, und das wiederholte Umtragen von einer Zelle zur anderen wird dem Nektar Wasser entzogen und laufend Sekrete und Enzyme der Biene beigemengt. Dabei sinkt der Wassergehalt auf 20% oder weniger. Je niedriger der Wassergehalt, umso besser. Nektar der einen Wassergehalt von 20% und weniger hat bezeichnet man als Honig und ist ideal als Wintervorrat.
 

Um einen Kilo Honig zu produzieren, müssen die Bienen drei Kilo Nektar sammeln!


Der eingetragene Pollen wird den Sammelbienen aus den Körbchen an den Hinterbeinen abgenommen. Ein Teil wird an Ammenbienen und Larven verfüttert. Der Überschuss wird als Pollenbrot eingelagert.

 

Die Wächterbiene

Nach der mittlerweile fast nun dritten Lebenswoche als Stockbiene bilden sich die Futtersaft- und Wachsdrüsen zurück. Zwischen dem 17. und dem 20. Lebenstag übernimmt die Stockbiene vermehrt Orientierungsflüge, um die Umgebung ihres Bienenstockes besser kennen zu lernen. Gleichzeitig übernimmt sie vermehrt  Arbeiten als Wächterin am Flugloch. Es ist der Übergang von der Stockbiene zur Flugbiene. Sie ist jetzt außerordentlich wehrhaftt, da Ihre Giftdrüsen jetzt besonders gut ausgebildet sind und die Giftblase prall gefüllt ist. Wächterbienen halten sich direkt vor oder hinter dem Flugloch auf. Sie stehen auch mitten im Flugloch und kontrollieren jeden, der hinein will.

 

Imme(r) im Dienst - die Wächterbiene

 

Die Flugbiene

Ab dem 21. Lebenstag sind die Arbeiterinnen „Volljährig“ und arbeiten mehrheitlich als Flugbienen. Sie sind die "Senioren" unter den Honigbienen und haben die meiste Lebenserfahrung. Sie besitzen dadurch die idealsten Voraussetzungen für den nicht ganz ungefährlichen Beruf als Sammelbiene.
Als Sammelbiene trägt sie nun bis an ihr Lebensende unermüdlich und in großen Mengen alles ein, was das Volk zum Leben und zur Entwicklung braucht: Nektar, Honigtau, Pollen, Wasser und Baumharze.
Die Baumharze werden von den Flugbienen von verschiedenen Bäumen wie Fichten, Buchen, Pappeln oder von den Rosskastanien (wer kennt nicht die harzig, klebrigen Knospen)gesammelt. Stockbienen verarbeiten diese Baumharze zu einem Produkt, das wir unter dem Namen
Propolis kennen.

 

Voll Beladen - die Sammelbiene

Propolis ist ein von den Bienen hergestelltes „Antibiotikum“ und „Antimykotikum“ (Anti-Pilz-Mittel), welches sie gegen die Ausbreitung von Krankheiten benutzen. Sie dichten damit kleine Spalten und Ritzen im Bienenstock ab oder überziehen etwa eine von den Bienen getötete, eingedrungene Maus komplett mit einem feinen Propolisfilm, um das Bienenvolk vor den infektiösen Substanzen des verwesenden Kadavers zu schützen

Flugbienen gehen bei ihren Sammeltätigkeiten ökonomisch vor. Nur wenn ein ausreichendes Blütenangebot vorhanden ist, der Imker spricht dann von
Tracht, wird ausgeflogen. Die Bienen sind dabei Blütenstet. Blütenstetigkeit könnte man auch als Blütentreue ausdrücken. Es bezeichnet eine erlernte Verhaltensweise, die dazu führt, dass sich eine einzelne Sammelbiene beim Aufsuchen von Blüten an ein und dieselbe Pflanzenart hält, solange die Pflanzenart reichlich Nektar oder Pollen bietet.

Die so genannten
Spurbienen kundschaften die Tracht aus. Finden sie z.B. eine blühende Streuobstwiese und enthält der Blütennektar eine ordentliche Menge an Zucker, so fliegen sie nach Hause und geben die Nachricht an andere Sammelbienen im Stock weiter. Da die Bienen nicht Sprechen können wie wir Menschen, geschieht die Weitergabe von Information in Form von Tänzen auf den Waben. In dieser Tanzsprache werden Einzelheiten über die Himmelsrichtung, über die Entfernung und Ergiebigkeit der gefundenen Futterquelle an die Bienenschwestern weitergegeben.

Der Imker kennt zwei Tänze, den
Rundtanz und den Schwänzeltanz.

Der Rundtanz:    

Befindet sich die Futterquelle in der Nähe des Bienenstandes, bis etwa 50m Entfernung, dann läuft die Spurbiene auf der Wabe einen Rundtanz: Sie läuft einen kleinen Kreis, dreht sich wieder um und läuft den Kreis wieder zurück. Das bedeutet: „Sucht in der nächsten Umgebung!“. Andere Sammelbienen laufen der Tänzerin nach und erhalten durch die Tanzintensität und kleine Futterproben der Spurbiene die Information zur neu gefundenen Futterquelle.
Die neu aktivierten Sammelbienen fliegen dann aus und suchen den ganzen Umkreis des Bienenstockes nach der neuen Nektarquelle ab.

 

 
Der Schwänzeltanz:    

 

Befindet sich die neue Futterquelle allerdings 100m und mehr entfernt, dann wäre ein Absuchen des ganzen Gebietes in dieser Entfernung sehr zeitraubend und ganz schön mühselig. Um nun Zeit und Energie zu sparen, müssen deshalb auch Entfernung und Richtung mitgeteilt werden. Dazu läuft die Spurbiene auf der Wabe einen Schwänzeltanz: Sie läuft eine Figur in Form einer zusammengedrückten Acht. An der Berührungslinie der beiden Halbkreise wackelt (schwänzelt) die Spurbiene mit ihrem Hinterleib. Die Richtung der Berührungslinie auf der Wabe zeigt die Flugrichtung in Bezug auf den Sonnenstand an:
Liegt die Futterquelle in Richtung Sonne, schwänzelt die Biene auf der senkrechten Wabe
nach oben, liegt die Futterquelle entgegengesetzt zur Sonne, verläuft die Schwänzelstrecke nach unten.

Auch der Winkel zwischen Flugbahn und jeweiligem Sonnenstand wird winkelgetreu in das Schwerefeld der Wabe übertragen. Erstaunlich dabei ist, dass die Bienen bei ihren Tänzen die sich im Laufe des Tages ändernde Position der Sonne durch eine „innere Uhr“ mit „verrechnen“. Die Entfernung zur Futterquelle wird durch die Intensität der Schwänzelbewegungen angegeben. Je näher die Futterquelle, desto intensiver und schneller ist der Tanz, je größer die Entfernung, desto ruhiger und langsamer wird er.

 

Zu guter Letzt

Das Leben als Flugbiene ist nach ca. drei arbeitsintensiven Wochen beendet. Es ist zugleich auch der letzte Lebensabschnitt einer Honigbiene. Die mit sich bringenden Gefahren stellten große physische Anforderungen an die Flugbiene; und das sieht man ihr jetzt auch an: Sie hat viele ihrer Haare verloren. Brust und Hinterleib sind fast kahl und die Flügel sind zerschlissen. Vom letzten Flug kehrt die Biene nicht in den Stock zurück, sie stirbt erschöpft von der Arbeit außerhalb des Stockes.

Das hier aufgezeigte bekannte Arbeitsschema  - Stock- und Brutpflege, Wachserzeugung und Wabenbau, Nestschutz und Nahrungssammeln - wird allerdings nicht peinlich genau von unseren Sechsbeinern eingehalten. Honigbienen passen ihre Tätigkeiten vor allem den jeweiligen Erfordernissen ihres Bienenstaates an. Bei Futtermangel  kann es zum Beispiel notwendig werden, dass Bienen, die altersgemäß eigentlich Arbeiten als Stockbiene auszuführen hätten, sich auch auf die Suche nach Nektar und Pollen begeben.

Alles in allem liegt meiner Meinung nach ein großer Zauber in dieser feinen Anpassungs-fähigkeit, und "Jedermann" und "Jederfrau" ist herzlich eingeladen, bei uns die Zauberwelt Bienenstaat live zu erleben.

 

 

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