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Kleine Honigbienenkunde
Honigbienen
sind ganz besondere Tiere. Sie können nur als Gemeinschaft
existieren. Eine einzeln gehaltene Honigbiene wird trotz
bester Haltung und Pflege schon nach kurzer Zeit sterben.
Honigbienen sind die wichtigsten Bestäuber unserer
Kultur-landschaft, insbesondere für die Massentrachten und
damit für die Landwirtschaft unentbehrlich. Durch ihre
Bestäubungsleistung an Nutzpflanzen sind Honigbienen in Europa
das drittwertvollste Haustier nach dem Rind und dem
Hausschwein.
Ohne die imkerliche Pflege des Menschen könnte die Honigbiene
nicht mehr existieren. Mischwälder mit einem natürlich
vorkommenden Bestand an stehendem Totholz, welches einst
ursprüngliche Behausungen für die Bienen darstellten,
existieren kaum noch. Auch gegen Bienenkrankheiten wie die aus
Asien eingeschleppte Varroa-Milbe hat die Honigbiene ohne die
Hilfe des Imkers keine Überlebenschance.
Mit
dem Rückgang der
Imkerei stirbt also auch die Honigbiene.
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Ohne Familie läuft
nichts! |
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Honigbienen gehören zu den staatenbildenden Insekten. Sie
ernähren sich, wie alle anderen Bienenarten auf der Welt, rein
vegetarisch. Eine solche „Großfamilie" besteht aus vielen
Einzeltieren mit enormer Spezialisierung. In diesem Fall sind
dies drei ganz unterschiedliche Wesen mit sehr
unterschiedlichem Verhalten:
Drohn,
Königin
und
Arbeiterin. |
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Das
Bienenvolk kennt eine strickte Organisation und damit
verbunden eine klare Rollen- und Arbeitsteilung für die drei
Bienenwesen. Die Aufgaben von Drohn, Königin und Arbeiterinnen
sind dabei so fein aufeinander abgestimmt,
dass schon beim Fehlen eines der drei Bienenwesen die
„Großfamilie Bienenstaat“ nicht mehr weiter existieren kann.
Königin und Drohnen auf sich allein gestellt wären verloren,
denn sie könnten weder Wachszellen errichten, die Brut
aufziehen, noch ihre tägliche Nahrung beschaffen.
Die Arbeiterinnen wiederum wären ohne die Regentin und der
Drohnen nach kurzer Zeit ebenfalls zum Aussterben verurteilt,
da mit dem Fehlen der Geschlechtstiere auch der Nachwuchs
ausbleibt und das Ende des Volkes besiegelt wäre. |
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Die untrennbare Einheit der so unterschiedlichen Bienenwesen
spiegelt sich auch in der für das Bienenvolk verwendeten
Bezeichnung
„der Bien“
wider. Imker betrachten ein Bienenvolk als eine unteilbare
Einheit,als einen einzigen lebenden Organismus. Wobei die
Arbeiterinnen den Gesamtkörper darstellen, die Drohnen und die Königin
wiederum den männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen
entsprechen. |
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Im Dienste der Arterhaltung:
Der Bienendrohn |
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Die dicken „Brummer“ im Volk sind die Drohnen. Sie werden in
der Vermehrungszeit des Bienenvolkes, der
Schwarmzeit
(sie
erstreckt sich etwa von April bis August, hauptsächlich aber
im Mai und Juni) aufgezogen. Bis zur Jahresmitte können in
einem starken, gesunden Bienenvolk einige hundert bis
tausend Drohnen leben. |
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Der Drohn
geht aus einem
unbefruchteten Ei
hervor. Bei den Hautflüglern entstehen aus unbefruchteten
Eiern immer männliche Tiere. Drohnen-Eier werden von März bis
Juli in Wabenzellen mit ca. 6,2 bis 6,4 mm breite und 16 mm
tiefe gelegt. Die „Herren“ des Hauses lassen sich am längsten
Zeit mit ihrer Entwicklung; von der Eiablage bis zum
ausgewachsenen Insekt benötigen sie 24 Tage. Zudem besitzen
Drohnen wie alle männlichen Hautflügler
keinen
Stachelapparat und können deshalb auch
nicht
stechen. Zwischen dem 8. und 12. Tag nach dem Schlüpfen
erreicht der Drohn seine Geschlechtsreife. Wichtig ist
eine ausreichende Versorgung mit Eiweißen, denn in dieser
Zeit produziert ein Drohn in seinen Hoden
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acht bis elf Millionen Spermien. Die Eiweißernährung
decken Honigbienen über den Verzehr von Blütenpollen ab;
Blütenpollen sind die "Eiweißbomben" im Bienenstock! Die Drohnen beteiligen
sich nicht am Alltag im Bienenstock, sie Sammeln
weder Pollen noch Nektar; steuern mit ihren Körpern
allerdings etwas Wärme für die Bienenbrut bei. Sie sind im Gegensatz zu den
Männchen solitär lebender Bienenarten Körperlich nicht
einmal in der Lage, Nektar aus Blüten aufzunehmen. Sie
sind zu ihrer eigenen Ernährung auf den sozialen
Futteraustausch (die „Mund-zu-Mund“ Weitergabe von Futter)
im Bienenvolk angewiesen.
Die große Stunde der Drohnen kommt, wenn junge,
unbegattete Königinnen zum Hochzeitsflug das Bienenvolk
verlassen.
Alles an ihnen ist auf diese Aufgabe ausgerichtet. Sie
besitzen große, leistungsfähige Facettenaugen, die am Scheitel
des Kopfes dicht beisammen stehen. Die einhergehende gute
Sehfähigkeit ermöglicht ihnen, eine Königin im Flug
aufzufinden. Ebenso ist ihr Geruchssinn besonders gut
ausgebildet und auf den Duft von „unverheirateten“ Königinnen
spezialisiert. Der Drohn besitzt spezielle Haarpolster an den
Hinterbeinen, mit denen er eine Königin im entscheidenden
Augenblick festhalten kann, denn die Bienenhochzeit findet
ebenfalls im Flug statt.
Leider endet
der "schönste Tag im Leben" für den Drohn tödlich. Findet ein
Drohn keine unverheiratete Königin und es kommt nicht zum
Bienensex, kann ein Drohn bis zu 40 Tage alt werden.
Im Spätsommer, wenn die Schwarmzeit vorbei ist und Drohnen
nicht mehr „Heiraten müssen“, kommt es zur so genannten
Drohnenschlacht:
Bienenvölker mit gut legenden Königinnen dulden zu dieser
Zeit keine Drohnen mehr. Sie werden nicht mehr versorgt
und von den Vorräten ferngehalten. Zuletzt zerren die
Arbeiterinnen sie aggressiv aus dem Stock.
Vor dem Flugloch findet man zu diesem Zeitpunkt vermehrt
Drohnen umherlaufen. Ein Teil dieser Drohnen ist bereits
verhungert und liegt Tot vor dem Flugloch. Ein Bild, als wenn
hier ein Drohnenschlachten statt gefunden hätte. Aber nur
selten wird ein Drohn tatsächlich durch den gezielten Stich
einer Arbeiterin getötet. Nur in Völkern ohne voll
funktionsfähige Königin sind Drohnen im Herbst und Winter noch
zu finden. |
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Die Mutter aller Honigbienen:
Die Bienenkönigin |
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Die Königin ist die
Michelle Obama, die „First Lady“ im Bienenvolk. Sie ist
permanent umsorgt
von einem Heer von Dienern, dem in der
Imkersprache bezeichneten
Hofstaat. Das hat seinen Grund: Die
Königin, vom Imker auch
Weisel genannt, leistet
Schwerstarbeit. Von März bis August sorgt sie kontinuierlich
für Nachwuchs. Sie legt pro Tag bis zu 1500 Eier. Dies erfordert eine
energiereiche und vor allem eiweißreiche Nahrung. Sie wird, um
diese Schwerstarbeit leisten zu können, daher von Ammenbienen
mit einem speziellen Futtersaft, dem
Gelée Royal, gefüttert.
Die Königin sondert aus Drüsen am Kopf, Substanzen ab, die
Pheromone genannt werden. Pheromone sind chemische Stoffe mit
denen die Bienen untereinander kommunizieren. Diese Pheromone,
vom Imker auch
Königinnensubstanzen genannt, halten das Volk
zusammen und unterdrücken damit z.B. die Sexualität, also den
Fortpflanzungswillen, der Arbeiterinnen; die Arbeiterinnen
bleiben dadurch
steril
(unfruchtbar).
Die gleichmäßige
Verteilung der Pheromone im Volk erfolgt durch die
Arbeiterinnen. Die Bindungen, die zwischen der
Regentin und ihrer Untertanen durch diese Pheromone
hervorgerufen werden, sind außerordentlich Stark. |
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Bienenkönigin mit ihrem Hofstaat
Fotograf: Jürgen Schwenkel |
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Man kann sagen, dass die Königin tatsächlich Macht über ihre Töchter
ausübt. Sie darf erwarten, dass ihre Existenz nicht in Frage
gestellt wird. Das ist sehr wichtig, denn zwei Königinnen können
nicht nebeneinander existieren; sie würden versuchen, sich
gegenseitig umzubringen. Die Königin ist das größte Tier im
Volk und das einzige
fertile (fruchtbare) Weibchen, das in der
Regel die Eier legt. Ihre Spezialisierung geht so weit, dass
sie, anders als bei den Hummeln oder bei Wespen, niemals
alleine ein neues Volk gründen kann.
Der Bienenkönigin fehlen auch wesentliche Körpermerkmale einer
Arbeitsbiene. Sie besitzt z.B. keine Wachsdrüsen an ihrem
Hinterleib, keine Honigblase oder keinen Pollensammelapparat
an ihren Hinterbeinen und kann deshalb weder Nektar noch
Pollen sammeln oder Wachs produzieren. Überhaupt fehlt ihr der
Instinkt zur Brutpflege. Durch ihre Eierlegetätigkeit sorgt
sie für eine fortwährende Nachkommenschaft der kurzlebigen
Töchter und während der Vermehrungsphase für das Entstehen der
Geschlechtstiere, den Drohnen und Königinnen.
Die Spermien, welche die junge Königin während der kurzen,
einmaligen Begattungsphase von bis zu sieben, acht Liebhabern
(Drohnen) aufnimmt und in ihrer Samenblase
speichert, müssen für ihre gesamte Lebenszeit von drei bis
maximal fünf Jahren ausreichen.
Die Brutzellen, in die von der Königin Eier gelegt werden
sollen, werden von den Arbeiterinnen vorbereitet. Eine
Putzbiene reinigt eine bereits gebrauchte Brutzelle von den
Resten der letzten „Bienengeburt“. Dies sind Reste der
Puppenhülle, Stücke des Wachsdeckels und Kot.
Die
Königin kann die Spermien bei der Eiablage gezielt und
Portionsweise abgeben. Sie inspiziert zuerst die
Brutzelle. Fällt es zu ihrer Zufriedenheit aus, misst sie
mit ihren Vorderbeinen und den Antennen die Größe der
Zellöffnung aus: Ist diese groß (6,2 bis 6,4 mm breit und
16 mm tief), bleibt die Samenblase geschlossen, sie legt
ein
unbefruchtetes Ei
und es entsteht ein Drohn. Ist die Zellöffnung dagegen
klein (5,2 und 5,4 mm breit und etwa 10-12 mm tief),
werden bei der Eiablage Spermien hinzugefügt, das Ei wird
befruchtet
und es entsteht ein Weibchen. In der Imkersprache heißt
das, sie
bestiftet
die Zelle. Bestiften deshalb, weil die Eier der Honigbiene
wie ein Komma oder eben wie ein Stift aussehen.
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Im
Innen- und Aussendienst:
Die Arbeitsbiene |
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Keineswegs „herrscht" die Königin als Monarchin im
Bienenvolk. Ganz im Gegenteil, die Gemeinschaft der
Arbeiterinnen hat „das Sagen".
Sie entscheiden etwa,
ob ihre Regentin Abdanken muss wenn sie in den Augen
der Arbeiterinnen zu „alt“ ist oder ihre Funktion
nicht vollständig erfüllt, sprich: nicht mehr genug
Schwestern produziert.
Die Arbeiterinnen erledigen das Alltagsgeschäft des
Bienenvolkes.
Sie sorgen je nach Notwendigkeit und Möglichkeit dafür, dass mehr
oder weniger Zellen für die Eiablage vorbereitet sind, die
Brut gewärmt und versorgt wird, Drohnen- und Schwarmzellen
gebaut werden und ausreichend Nahrung herangeschafft wird. |
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So bestimmen die Arbeiterinnen auch den Zeitpunkt des
Schwärmens und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Königin
weniger Eier ablegt und, auf "Diät" gesetzt, wieder schlank
und flugfähig wird für den Umzug in ein neues Bienenheim. Im Gegensatz zur Königin besitzen Arbeiterinnen nur wenige
Eierstöcke, die - solange die Pheromone der Königin wirken und
Brut vorhanden ist - in der Regel nicht entwickelt sind.
Dass nun aus einem befruchteten Ei eine Königin oder eine
Arbeiterin wird, hängt allein von den Aufzuchtbedingungen
ab. Nur die Larve in der
senkrecht
hängenden
Königinnenzelle wird ausschließlich mit
Königinnenfuttersaft
(Gelée Royale),einem Kopfdrüsensekret der
Arbeiterinnen, ernährt. Aus ihr schlüpft nach 16 Tagen die Königin. Die Larven in den kleinen,
waagrecht
stehenden Zellen, der
Arbeiterinnenzellen,
werden ab dem Alter von zwei bis drei Tagen nur noch mit
einem Gemisch aus Nektar und Pollen ernährt; aus ihnen entsteht eine
Arbeiterin, die nach etwa 21 Tagen schlüpft.
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Nachschaffungszelle
Foto: Schwenkel |
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Bis zu einem Larvenalter von zwei bis vier Tagen ist die
Entwicklung zur Königin oder Arbeiterin umkehrbar. Fehlt also
plötzlich die Königin, können aus jungen Arbeiterinnenlarven
dennoch Königinnen werden, indem die Larven weiter mit viel
Königinnenfuttersaft gefüttert und die Zellen
nachträglich zu
so genannten
Nachschaffungszellen geformt werden. Die daraus
schlüpfende Königin wird dann vom Imker
Nachschaffungskönigin
genannt.
Arbeiterinnen sind deutlich kleiner als die Königin und bilden
die Masse des Bienenvolkes. Im Sommer sind das etwa 40.000 bis
60.000 Arbeiterinnen, im Winter etwa 5.000 bis 10.000
Stück. |
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Das bekannte Arbeitsschema
- Stock- und Brutpflege, Wachserzeugung und Wabenbau,
Nestschutz und Nahrungssammeln - wird in der Regel vom
Lebensalter bestimmt, die
älteren Bienen arbeiten im
"Außendienst" als Wächterin, Erkundungsbiene und Sammlerin; die
jüngeren Bienen sind für die handwerklichen
Aufgaben im "Innendienst" zuständig. Die einzelnen Tätigkeiten werden aber
oft übersprungen bzw. können bei Bedarf später wieder ausgeübt
werden.
Die Brutpflege und die Sammeltätigkeit einer Arbeiterin
verkürzt ihre Lebenserwartung drastisch. Hierin liegt auch der
Unterschied zwischen den
kurzlebigen Sommerbienen
und den
langlebigen
Winterbienen.
Erstere erleben nur drei bis sechs arbeitsintensive
Wochen. Letztere haben noch keine Brut aufgezogen und
können daher monatelang im brutfreien Volk
überleben. |
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Der Lebenslauf einer Honigbiene |
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Nachdem die Königin nun ein
befruchtetes (es entsteht eine
Arbeiterin) oder ein
unbefruchtetes Ei (es entsteht ein Drohn)
in eine Zelle gelegt hat, reicht der Dottervorrat im Ei nur
für
drei Tage, dann muss die Larve aus dem Ei schlüpfen. Ab
diesem Zeitpunkt ist sie auf die Pflege durch die Ammenbienen angewiesen.
Die Ammenbienen versorgen die Larven in den ersten Tagen mit ihrem in den
Kopfdrüsen produzierten Futtersaft. Soll aus dem befruchtetem Ei eine
Arbeitsbiene entstehen, werden die Larven anschließend mit einem Futterbrei
aus Honig und Pollen gefüttert - und das bis zu 25mal am Tag - soll aus der
Larve eine Königin werden, erhält sie während der gesamten larvalen
Entwicklung den Futtersaft der Ammenbienen
(Gelée
Royal). |
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Die einzige Aufgabe der Larve ist es zu wachsen. Bis zum Ende
ihrer
sechs Tage dauernden Larvenzeit hat die Larve das ca.
500fache ihres
Eischlüpfgewichtes erreicht!
Zum Vergleich: Würde ein
Menschenbaby so rasant zunehmen, wäre es nach einer Woche so
groß und so schwer wie ein Nilpferd!
Bei allen Insekten auf der Welt besteht das Problem, dass die äußere Hülle
zugleich das "Skelett" darstellt. Diese Hülle wächst
nicht mit.
Um wachsen zu können, muss sich die Bienenlarve im Laufe ihrer
gesamten Larvenzeit
fünf Mal häuten.
Die Larvenhülle reißt an einer "Sollbruchstelle" ein und die
Larve windet sich heraus. Sie hat unter der alten Hülle
ein neues Larvenhemd gebildet, das sich in den ersten Minuten
noch dehnen kann und anschließend verfestigt.
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In der Zeit zwischen dem Ende der Larvenentwicklung und der
vollentwickelten Biene liegt eine Ruhephase,
die
Puppenphase.
Diese Ruhephase ist allerdings rein äußerlich, denn
das Tier wird in dieser Zeit vollständig von einer
fußlosen, raupenähnlich wirkenden Gestalt zu dem uns
bekannten typischen Bienenwesen umgebaut. Die
Ammenbienen verschließen nun die Brutzellen, da die
Larven in der Puppenphase keine Nahrung mehr zu sich
nehmen. Die Puppenphase dauert bei den Arbeiterinnen
12
Tage, die Drohnenpuppen brauchen drei Tage länger,
also
15 Tage.
Am Ende ihrer Verwandlung schlüpft nun eine fertig entwickelte
und ausgewachsene Biene. Das fertige Insekt –
Imago genannt -
wächst nicht mehr. Nur ein Teil der inneren Organe wird sich
später noch den jeweiligen Aufgaben entsprechend vergrößern
oder reduzieren.
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Von der Putzfrau zur Kundschafterin:
Das Leben einer Arbeitsbiene |
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Bei
den Arbeitsbienen gibt es eine deutlich strukturierte Arbeitsteilung.
Die jeweiligen Aufgaben, die sie erfüllen hängen vom Alter der
Arbeiterin und von dem Entwicklungsstadium bestimmter Drüsen
ab. Das Leben einer Arbeitsbiene wird von einem Rhytmus von
drei mal drei Wochen (3 x 21 Tage) geprägt: In den ersten
drei Wochen ihres jungen Bienenlebens erledigt sie Arbeiten im Bienenstock. Sie ist also eine
reine
Stockbiene.
Zuerst reinigt sie die leeren Wabenzellen. Anschließend
verrichtet die Arbeiterin alle Dienste im Stock vom
Ammendienst an Brut und Königin bis zur Wächterin am
Flugloch.
Die letzten drei Wochen, und der letzte Lebensabschnitt einer Arbeiterin, ist
sie als
Flugbiene
unterwegs.
Sie arbeitet dann als Sammlerin oder Spurbiene. Ganz so streng, wie
es sich hier anhört ist die Arbeitsteilung aber nicht und es
gibt eine Menge kleiner Tätigkeiten, die in jeder Phase wieder
auftreten. Bei Bedarf können Arbeiterinnen andere Aufgaben
übernehmen, als es für ihr Alter typisch wäre. |
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Die Putzbiene |
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Nach
dem Schlüpfen aus dem engen "Kinderzimmer" sind die Futtersaftdrüsen im Kopf einer jungen Honigbiene noch nicht voll ausgebildet.
Dies dauert noch ein kleine Weile und sie beteiligt sich deshalb
auch noch nicht an den Pflegediensten bei der Brut und der
Königin.
Die neue "Mitarbeiterin" hält sich dennoch überwiegend auf dem
Brutnest auf. Dort wärmt sie mit ihrer Anwesenheit das Brutnest
und übernimmt die „sanitäre Wartung“ (entfernen von Puppenhäutchen
und Larvenkot) frei gewordener Brutzellen für den kommenden
Nachwuchs |
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Frisch geschlüpfte Honigbienen sind stark behaart und
sehen auch irgendwie "frisch geboren" aus - feucht und
Unsicher auf den Beinen. Daran kann man eine junge Biene
erkennen.
Je länger eine Biene lebt, umso mehr Haare oder Borsten verliert
sie - fast genauso wie bei uns Menschen! |
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ö
Die Ammenbiene |
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Die Ammenbienen versorgen die Brut. Am 4. Tag nach dem
Schlüpfen sind die im Kopf der Biene liegenden
Futtersaftdrüsen mächtig herange-wachsen. Sie kann jetzt
Futtersaft, eine Art
Ammenmilch produzieren und an Larven und
Königin abgeben. Die Larven sind in den ersten Tagen noch
nicht selbst in der Lage Pollen zu verdauen. Sie sind daher
auf diesen Futtersaft angewiesen. Ungefähr bis zum 10. Lebenstag
erledigen die Bienen ihre Ammendienste. Anschließend bilden
sich ihre Futtersaftdrüsen wieder zurück. Ein kleiner Teil der Ammenbienen, dem so genannten
Hofstaat,
betreut die Königin. Sie füttern die Königin mit ihrem Kopfdrüsensekret,
dem
Gelée Royale. |
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Die Baubiene |
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Bei einem Teil der Stockbienen sind ab dem 11. Lebenstag die
Wachsdrüsen aktiv. Das Wachs entsteht in insgesamt acht
Drüsenfeldern, die auf der Bauchseite von vier
Hinterleibssegmenten der Bienen paarig angeordnet sind. Sie
arbeiten nun als Baubienen und produzieren kleine,
transparente Wachsplättchen. Der Imker sagt dazu, die
Bienen
schwitzten
Wachs. Baubienenarbeit ist echtes Teamwork!
Soll eine neue Wabe gebaut werden, so bilden Arbeiterinnen lange
„Arbeitsketten“.
Sie hängen sich aneinander und bilden ein dichtes Netz von
Bienenkörpern über der Baustelle.
Frisch geschwitztes Wachs ist brüchig und hat eine
feinkörnige Gestalt. Die Baubiene knetet die
Plättchen mit ihren Kiefern durch und fügt ein öliges Sekret ihrer
Kieferdrüsen zu. Das Wachs hat jetzt seine
Brüchigkeit verloren, ist sehr elastisch und kann
nun wunderbar als "Universalbaustein" im
Bienenstock eingesetzt werden. Aus
100 Gramm Wachs
erschaffen die Baubienen etwa
8.000 Zellen
! |
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Aus: Was ist Was Band 19
"Bienen und Ameisen" |
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Die
Honigmacher
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Die
Hauptaufgabe der Stockbienen zwischen dem 12. und 20. Lebenstag ist
es, den heimkehrenden Sammelbienen den gesammelten Pollen,
Nektar oder Honigtau abzunehmen und im Volk zu verteilen oder.
einzulagern.
Diese „Nektarabnehmerinnen“ sind die eigentlichen
Honigmacherinnen.
Frisch geernteter Pflanzennektar enthält
sehr viel Wasser, je nach Pflanzenart bis zu 75%, und ist als
haltbarer Wintervorrat ungeeignet. Die im Nektar natürlich
vorkommenden Hefepilze
würden schnell anfangen sich zu vermehren - der
Nektar würde gären. Deshalb wird der Nektar von
den Bienen kontinuierlich getrocknet. Durch die
Übergabe des Nektars |
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von einer Biene zur nächsten,
Trophallaxis genannt, und das wiederholte Umtragen von einer
Zelle zur anderen wird dem Nektar Wasser entzogen und laufend
Sekrete und Enzyme der Biene beigemengt. Dabei sinkt der
Wassergehalt auf 20% oder weniger. Je niedriger der
Wassergehalt, umso besser. Nektar der einen Wassergehalt von
20% und weniger
hat bezeichnet man als
Honig und ist ideal als
Wintervorrat.
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Um einen Kilo
Honig zu produzieren, müssen die Bienen drei Kilo
Nektar sammeln! |
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Der eingetragene Pollen wird den Sammelbienen aus den Körbchen
an den Hinterbeinen abgenommen. Ein Teil wird an Ammenbienen
und Larven verfüttert. Der Überschuss wird als Pollenbrot
eingelagert. |
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Die Wächterbiene |
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Nach der mittlerweile fast nun dritten Lebenswoche
als Stockbiene bilden sich die Futtersaft- und Wachsdrüsen
zurück. Zwischen dem
17. und dem 20. Lebenstag übernimmt die Stockbiene
vermehrt Orientierungsflüge, um die Umgebung ihres
Bienenstockes besser kennen zu lernen.
Gleichzeitig übernimmt sie vermehrt Arbeiten als Wächterin am Flugloch. Es
ist der Übergang von der Stockbiene zur Flugbiene.
Sie ist jetzt außerordentlich wehrhaftt, da Ihre
Giftdrüsen jetzt besonders gut ausgebildet sind
und die Giftblase prall gefüllt ist.
Wächterbienen halten sich direkt vor oder hinter
dem Flugloch auf. Sie stehen auch mitten im
Flugloch und kontrollieren jeden, der hinein will. |
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Die Flugbiene |
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Ab dem
21. Lebenstag sind die Arbeiterinnen „Volljährig“ und
arbeiten mehrheitlich als Flugbienen. Sie sind die "Senioren" unter
den Honigbienen und haben die meiste Lebenserfahrung. Sie besitzen
dadurch die idealsten Voraussetzungen für den nicht ganz
ungefährlichen Beruf als Sammelbiene.
Als Sammelbiene trägt sie nun bis an ihr Lebensende
unermüdlich und in großen Mengen alles ein, was das Volk zum Leben
und zur Entwicklung braucht: Nektar, Honigtau, Pollen, Wasser
und Baumharze.
Die Baumharze werden von den Flugbienen von verschiedenen
Bäumen wie Fichten, Buchen, Pappeln oder von den Rosskastanien
(wer kennt nicht die harzig, klebrigen Knospen)gesammelt.
Stockbienen verarbeiten diese Baumharze zu einem
Produkt, das wir unter dem Namen
Propolis
kennen. |
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Propolis ist ein von den Bienen hergestelltes
„Antibiotikum“ und „Antimykotikum“ (Anti-Pilz-Mittel),
welches sie gegen die Ausbreitung von Krankheiten
benutzen. Sie dichten damit kleine Spalten und Ritzen im
Bienenstock ab oder überziehen etwa eine von den Bienen
getötete, eingedrungene Maus komplett mit einem feinen
Propolisfilm, um das Bienenvolk vor den infektiösen
Substanzen des verwesenden Kadavers zu schützen
Flugbienen gehen bei ihren Sammeltätigkeiten ökonomisch
vor. Nur wenn ein ausreichendes Blütenangebot vorhanden ist, der Imker spricht
dann von
Tracht, wird ausgeflogen. Die Bienen sind dabei
Blütenstet. Blütenstetigkeit könnte man auch als
Blütentreue
ausdrücken.
Es bezeichnet eine erlernte Verhaltensweise, die dazu führt,
dass sich eine
einzelne Sammelbiene beim Aufsuchen von Blüten
an ein und dieselbe Pflanzenart hält, solange die Pflanzenart
reichlich Nektar oder Pollen bietet.
Die
so genannten
Spurbienen
kundschaften die Tracht aus. Finden sie z.B. eine
blühende Streuobstwiese und enthält der Blütennektar eine
ordentliche Menge an Zucker, so fliegen sie nach Hause und
geben
die Nachricht an andere Sammelbienen im Stock weiter. Da die
Bienen nicht Sprechen können wie wir Menschen, geschieht die
Weitergabe von Information in Form von Tänzen auf den Waben.
In dieser
Tanzsprache werden Einzelheiten über die
Himmelsrichtung, über die Entfernung und Ergiebigkeit der
gefundenen Futterquelle an die Bienenschwestern weitergegeben.
Der Imker kennt zwei Tänze, den
Rundtanz und den
Schwänzeltanz.
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Der Rundtanz: |
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Befindet sich die Futterquelle in der Nähe des
Bienenstandes, bis etwa 50m Entfernung, dann läuft die
Spurbiene auf der Wabe einen
Rundtanz:
Sie läuft einen kleinen Kreis, dreht sich wieder um
und läuft den Kreis wieder zurück. Das bedeutet:
„Sucht in der nächsten Umgebung!“. Andere Sammelbienen
laufen der Tänzerin nach und erhalten durch die
Tanzintensität und kleine Futterproben der Spurbiene
die Information zur neu gefundenen Futterquelle.
Die neu aktivierten Sammelbienen fliegen dann aus und
suchen den ganzen Umkreis des Bienenstockes nach der
neuen Nektarquelle ab. |
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Der Schwänzeltanz: |
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Befindet sich die neue Futterquelle allerdings 100m und mehr
entfernt, dann wäre ein Absuchen des ganzen Gebietes in dieser
Entfernung sehr zeitraubend und ganz schön mühselig. Um nun
Zeit und Energie zu sparen, müssen deshalb auch Entfernung und
Richtung mitgeteilt werden. Dazu läuft die Spurbiene auf der
Wabe einen
Schwänzeltanz: Sie läuft eine Figur in Form einer zusammengedrückten
Acht. An der Berührungslinie der beiden Halbkreise
wackelt
(schwänzelt)
die
Spurbiene mit ihrem Hinterleib. Die Richtung der
Berührungslinie auf der Wabe zeigt die Flugrichtung in
Bezug auf den Sonnenstand an:
Liegt die Futterquelle in Richtung Sonne, schwänzelt
die Biene auf der senkrechten Wabe
nach oben,
liegt die Futterquelle entgegengesetzt zur Sonne,
verläuft die Schwänzelstrecke
nach unten.
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Auch der Winkel zwischen Flugbahn und jeweiligem
Sonnenstand wird winkelgetreu in das Schwerefeld der Wabe
übertragen. Erstaunlich dabei ist, dass die Bienen bei
ihren Tänzen die sich im Laufe des Tages ändernde Position
der Sonne durch eine „innere Uhr“ mit „verrechnen“. Die
Entfernung zur Futterquelle wird durch die Intensität der
Schwänzelbewegungen angegeben. Je näher die Futterquelle,
desto intensiver und schneller ist der Tanz, je größer die
Entfernung, desto ruhiger und langsamer wird er. |
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Zu guter Letzt |
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Das Leben als Flugbiene ist nach ca.
drei arbeitsintensiven
Wochen beendet. Es ist zugleich auch der letzte
Lebensabschnitt einer Honigbiene. Die mit sich bringenden
Gefahren stellten große physische Anforderungen an die
Flugbiene; und das sieht man ihr jetzt auch an: Sie hat viele ihrer Haare
verloren. Brust
und Hinterleib sind fast kahl und die Flügel sind zerschlissen. Vom letzten Flug kehrt die Biene nicht in den
Stock zurück, sie stirbt erschöpft von der Arbeit außerhalb
des Stockes.
Das
hier aufgezeigte bekannte Arbeitsschema - Stock- und
Brutpflege, Wachserzeugung und Wabenbau, Nestschutz und
Nahrungssammeln - wird allerdings nicht peinlich genau von
unseren Sechsbeinern eingehalten. Honigbienen passen ihre
Tätigkeiten vor allem den jeweiligen Erfordernissen ihres
Bienenstaates an. Bei Futtermangel kann es zum
Beispiel notwendig werden, dass Bienen, die altersgemäß
eigentlich Arbeiten als Stockbiene auszuführen hätten,
sich auch auf die Suche nach Nektar und Pollen begeben.
Alles in allem liegt meiner Meinung nach ein großer Zauber
in dieser feinen Anpassungs-fähigkeit, und "Jedermann" und
"Jederfrau" ist herzlich eingeladen, bei uns die
Zauberwelt Bienenstaat live zu erleben. |
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