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Wespen - zu Unrecht verfolgt

 

Zu den mit über 630 in Deutschland vorkommenden Wespenarten gehören neben den sozial lebenden Faltenwespen eine Vielzahl Einzellebender Arten wie z. B. Pflanzenwespen,Schlupfwespen, Gallwespen und Grabwespen. Während die Einzellebenden Arten (Solitärwespen) ein von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerktes Leben führen sind die schwarz-gelb gestreiften und in größerer Anzahl auftretenden sozialen Faltenwespen eine Erscheinung, die manchen Zeitgenossen in panischer Angst zu Fliegenklatsche und chemischer Keule greifen lassen. Die wenig geliebten Brummer sind mit einem Wehrstachel ausgerüstet und gehören wie die anderen Wespenarten zur Ordnung der Hautflügler (Hymenopteren). Im Laufe ihrer Entwicklung haben sie sozial hoch entwickelte Staaten ausgebildet. 

  Hornissenpaarung im Stadtwald Gelsenkirchen-Buer               Foto: Michael Korn
Alle Wespen füttern ihre Brut mit tierischer Nahrung (z.B. Mücken, Schmetterlingsraupen, Fliegen etc.) während sie ihren eigenen Betriebsstoffwechsel mit kohlehydratreicher Kost wie Nektar, Obst und anderen süßen Säften versorgen.
 

Am Anfang war die Königin

Hornissenstaat während der Arbeit

 

Wespen leben in einjährigen Sommerstaaten.         
Die Nestgründung erfolgt im Frühjahr durch eine, noch im Herbst des vergangenen Jahres begattete und überwinterte Königin. Aus der Winterstarre erwacht, sucht die Königin einen geeigneten Nistplatz und beginnt mit dem Nestbau. Bereits nach Errichtung der ersten Zellen wird eine Schutzhülle gebaut, um eine bessere Temperaturregulierung zu erreichen.
Die Nestgründung ist eine sehr sensible Phase der Volksentwicklung. Je nach Witterung, Nahrungsangebot und Bedrohung durch Feinde kann es zu einer hohen Sterberate bei den Königinnen kommen.Die Entwicklung der Eier über die Stadien Larve, Puppe bis zum ausgewachsenen Tier ist temperatur- und futterabhängig. Sie dauert 3-4 Wochen. Nachdem die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, werden alle Bau-,

Fütterungs-, Putz- und Jagdarbeiten von diesen ausgeführt. Die Königin widmet sich ganz der Eiablage und fliegt nicht mehr aus.

 

Der Höhepunkt der Volksentwicklung wird im Spätsommer erreicht. Auf den unteren Wabentellern werden in größeren Zellen aus unbefruchteten Eiern Männchen (stechunfähige Drohnen) und aus befruchteten Eiern Jungköniginnen herangezogen. Es ist die für den weiteren Bestand der Art wichtigste Phase der Entwicklung eines Wespenstaates. Mit dem Wegflug der Geschlechtsstiere, die nicht mehr ins Nest zurückkehren, löst sich der Wespenstaat auf. Noch vorhandene Larven werden nicht mehr gefüttert und aus den Zellen gezerrt, die ausgewachsenen Tiere sterben. Nur die begatteten Jungköniginnen sind in der Lage in frostsicheren Quartieren zu Überwintern und im nächsten Frühjahr einen neuen Jahreszyklus zu beginnen. Das alte Nest wird nicht mehr bezogen, kann jedoch anderen Insekten als Überwinterungsquartier dienen.

 

Das Nest - ein Schloß aus Papier

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Alle bei uns heimischen und sozial lebenden Wespen bauen Nester als Schutz vor Witterungseinflüssen und zur Aufzucht der Brut. Die Hülle der Nester bildet die Grundlage für ein ausgeklügeltes Temperaturregulierungssystem im Nest. Als Baustoff verwenden die Wespen oberflächlich verwittertes Holz von z. B. Zaunlatten und Baumstümpfen und vermengen es mit Speichel zu einer Art Pappmache. Je nach Farbe des Ausgangsmaterials und der Bautechnik entstehen unterschiedliche Einfärbungen und Muster der Nesthüllen, in deren Inneren die waagrecht angebrachten Brutwaben zu finden sind.

 

Nur die Feldwespen bauen hüllenlose Nester, die nur aus einer Wabe bestehen und an einem Strauch, einem Baum oder unter einem Dachziegel befestigt sind. Je nach Nistplatzwahl lassen sich die Wespen in Freinister (z. B. Mittlere Wespe in Hecken) und Höhlennister einteilen, wobei letztere ihre Nester in oberirdische (z. B. Hornisse, Sächsische Wespe) oder unterirdische Höhlen (z. B. Deutsche Wespe) bauen. Nester der so genannten "Kuchen-Wespen" (Deutsche und Gemeine Wespe) können fußballgroß werden und erreichen Volksstärken von mehreren tausend Tieren. Dies und die Tatsache, dass die Nester dieser beiden Arten bei günstiger Witterung bis Anfang November bestehen können, kann zu Konflikten mit dem Menschen führen.

 

Nest einer Feldwespe in der Ecke eines Dachfensters

Aufgrund des Mangels an Naturhöhlen weichen oberirdisch nistende Wespen oft in Ausweichquartiere in der Nähe des Menschen aus (Dachböden, Rolläden- und Vogelnistkästen).

 

Die nützlichen "Gelbjacken"

Kleiner Imbiss "Upside down"

 

Die Nützlichkeit staatenbildender Wespen wird oft verkannt, da sie im Gegensatz zu Bienen weder Honig noch Wachs produzieren und daher für den Menschen nicht direkt nutzbar sind. Als Insektenjäger leisten Wespen jedoch wertvolle Dienste bei der Schädlingsbekämpfung und sind selber Glieder in der Nahrungskette anderer Tiere. Ein starkes Hornissenvolk z.B. verfüttert pro Tag bis zu 500 g Insekten an seine Brut und leistet somit das Tagespensum von fünf bis sechs Meisenfamilien. Auch gibt es eine Reihe von Pflanzen, die von Wespen befruchtet werden wie z. B. der Knotige Braunwurz und die Schneebeere. Hornissen werden von einigen Imkern für Bienenschäden verantwortlich gemacht. Zur Zeit der Nestgründung von Hornissen, sind Bienenvölker in der Regel schon so weit entwickelt, dass die Wegnahme von Bienen nicht ins Gewicht fällt und keinerlei Einfluss auf die Entwicklung gesunder Bienenvölker hat und schon gar keine Ertragseinbußen beim Honig zu beklagen sind. Auch sind angeführte Schäden an Obst oder an Bäumen durch Ringeln der Rinde von Jungtrieben, um einen Saftausstrom auszulösen, im Vergleich zu anderen Schadeinflüssen wie z.B. durch die Gattung Homo als sehr gering einzuschätzen.

 

Warum sticht eine Wespe?

Nun ja, weil Sie es kann !!!
Spaß beiseite: Wespen-Weibchen tragen an ihrem Körperende einen Wehrstachel, den sie zur Verteidigung ihrer selbst und ihrer Brut einsetzen. Im Gegensatz zu Honigbienen verlieren sie ihren Stachel beim Stich in die Menschenhaut nicht. Wespenstiche und -gifte sind nicht anders zu beurteilen als z. B. Stiche von Honigbienen und Hummeln. Keines der Gifte ist so toxisch, dass Vergiftungen mit unter Umständen tödlichem Ausgang  zu erwarten sind.
Dem Menschen werden sogar mehrere Stiche gleichzeitig und Stiche in den Kopf oder in andere schmerzempfindliche Körperteile nicht gefährlich.

 

"Ein (Bienen)Küsschen in Ehren ... "

Zu kritischen Reaktionen kann es nur dann kommen, wenn Menschen auf bestimmte, in den Mischgiften enthaltene Eiweißkörper stark allergisch reagieren oder der Stich in den Rachen erfolgt. Hier ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich, denn dieser Zustand ist lebensbedrohlich. Eine derartige Allergie ist jedoch sehr selten. Oft wird schon die Schmerzreaktion der gestochenen Person als Allergie missdeutet; schmerzhaft allerdings sind Stiche dieser Insekten immer. Gelegentlich kann es durch einen Stich zu einer bakteriellen Infektion an der Einstichstelle kommen, die die eigentliche Giftwirkung stark übertrifft. Derartige  Infektionen entstehen allerdings meist durch das "Befriedigen" des Juckreizes mit verdreckten Fingernägeln.

 

"Wussten Sie schon, dass der Biss eines einzigen Pferdes genügt,
um eine Hornisse zu töten?"
- Viktor von Bülow, genannt "Loriot" -

 

Spielregeln beachten !

Freihängendes Nest der Mittleren Wespe

 

Wie im normalen Leben gibt es auch im Insektenleben Spielregeln. Wie sich Wespen verhalten, hängt stark davon ab, wo sie sich gerade befinden. Außerhalb ihres Nestbereichs sind Wespen nicht aggressiv. Normalerweise überwiegt bei allen Hautflüglern während der Futtersuche das Fluchtverhalten, da es keine Brut zu verteidigen gilt. Stiche erfolgen nur dann, wenn das Insekt bewusst oder versehentlich in die Enge getrieben, angeatmet oder gedrückt wird.Fühlt man sich durch eine Wespe belästigt, bleibt man ruhig und schlägt nicht um sich, um so das Insekt nicht unnötig zu beunruhigen.
Das neugierige Tier verschwindet bald von selbst. Wenn Sie gestochen werden, sollten Sie sich vom Nest entfernen.

Mit dem Stich werden Duftstoffe freigesetzt, die andere Wespen zu weiteren Angriffen animieren. Decken Sie Nahrungsmittel und Süßigkeiten im Freien ab. Verwenden Sie Trinkhalme, um Stichunfälle im Rachenraum zu vermeiden. Räumen sie Essensreste möglichst schnell weg.

 

Wer ärgert hier wen ?

Wespen leiden, ebenso wie Wildbienen und andere Hautflüglerarten, unter der zunehmenden Zerstörung naturnaher Lebensräume. Versiegelung der Böden, Gifteinsatz in der Landwirtschaft und im Garten, Nistplatzmangel, sowie gezielte Vernichtungsaktionen haben einige Wespenarten bereits auf die Rote Liste der bedrohten Tierarten gebracht. Generell ist es nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, wildlebende Tierarten mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzten oder zu töten.

 

Zerstörter naturnaher Lebensraum

 

Beim Seminar für Wespenumsiedler im Haus Ripshorst in Oberhausen

Die ökologische Bedeutung und regional starke Gefährdung von Wespen sollten uns veranlassen, alle Möglichkeiten des Wespenschutzes auszuschöpfen:

Sachgerechte Aufklärung der Bevölkerung

   insbesondere von Schulkindern,
   Garten- und Waldbesitzern
   Landwirten
   "nicht - in - ökologischen - Kreisläufen -
         Denkenden"  Imkern (sehr wichtig!)

    Feuerwehrleuten
   
Wer Hornissen ohne Vorurteile und Angst begegnet, ihre Lebensweise und ihr Verhalten kennt, kann sich leicht durch eigenes richtiges Verhalten auf die Tiere einstellen und in der Regel problemlos mit ihnen leben.
 

Wer hilft mir und wer den Wespen ?

 

 

Wenn Probleme mit Wespen auftreten, können diese in der Regel durch ein beratendes Gespräch oder die Absicherung des Nestes mit z. B. Fliegengitter gelöst werden.
Ist in Ausnahmefällen die Entfernung eines Wespennestes unumgänglich, so ist oftmals eine Umsiedlung möglich und die Vernichtung der Tiere damit unnötig. Die Umsiedlung ist sehr arbeitsintensiv und mit einem enormen Stress für die Tiere verbunden. Die Absicherung ist daher der Umsiedlung in jedem Fall vorzuziehen.

Zur Wespenberatung bitte hier anklicken

 

Wer seinen Garten naturnah anlegt und auf Spritzmittel verzichtet, hilft nicht nur den Wespen, sondern vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Es ist ein Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt. Lobenswert ist es, künstliche Nisthilfen bereitzustellen, die regelmäßig überprüft und gereinigt werden müssen. Ein weiterer Punkt beim Schutz der Wespen ist die Erhaltung und Schaffung naturnaher Lebensräume, wie z. B. Hecken. Sie sind Lebensraum für viele Insekten, die auf dem Speiseplan von Wespen und Vögeln stehen und somit von großer Bedeutung.

 

Für weitere Information rund um das Thema Wespen schauen Sie doch einmal auf die Homepage meines Wespenfreundes Peter Tauchert :
 

Zusammen mit ihm siedelte ich am 5.Juli 2004 ein Hornissennest um und tauften diesen Tag auf  
 
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